Rumaumlnien erlaubt wird, obwohl die beiden einige Jahre vor Kroatien in die EU gekommen sind?
Nun, das sind alles Fakten, aber wir schauen nicht auf andere Laumlnder. Wir schauen uns an, was wir selbst erreicht haben. Und: Wir haben die acht festgelegten Bedingungen erfuumlllt. Deshalb haben wir den Antrag [auf einen Schengen-Beitritt] gestellt.
Wir haben [von der Kommission] gruumlnes Licht erhalten, ohne weitere Bedingungen. Das ist ein klarer Indikator dafuumlr, dass das Expertengremium, das die Bewertung vorgenommen hat, seine Entscheidung auf der Grundlage der verfuumlgbaren Daten getroffen hat. Und diese Daten sollten auch das entscheidende Element fuumlr die Mitgliedstaaten bei ihrer politischen Entscheidung sein.
Der Schengenraum hat waumlhrend der Migrationskrise seine eigene Krise erlebt, aber dieser Raum muss existieren, er ist notwendig. Meiner Meinung nach ist es Kroatien gelungen, die Grenze der EU zu schuumltzen ndash trotz aller Schwierigkeiten, den Menschenschmugglern, der Grenzkriminalitaumlt und obwohl unsere Grenze ein gewisses Ziel ist und wir genauestens unter die Lupe genommen werden.
Das bedeutet auch, dass wir praktisch schon drinnen sind: Wir erfuumlllen alle Kriterien und setzen alle Mechanismen entsprechend ein. Wir koumlnnen daher mit Recht sagen, dass Kroatien es verdient, dem Schengenraum beizutreten.
Das sieht Kroatiens Nachbar Slowenien moumlglicherweise anders. Schlieszliglich gibt es immer noch den Streit um die Grenzziehung in der Bucht von Piran. Glauben Sie, dass Slowenien den kroatischen Schengen-Beitritt blockieren wird?
Ich glaube, Slowenien wird klug und weise handeln. Dieser kleine Stein im Schuh irritiert uns ja beide, Kroatien und Slowenien. Der Schengen-Beitritt Kroatiens liegt im Interesse Sloweniens, denn damit wird auch die Grenze Kroatiens zur Auszligengrenze der EU, waumlhrend die Grenze zwischen Kroatien und Slowenien sich in eine Binnengrenze zwischen zwei Schengenstaaten verwandelt.
In dieser Hinsicht wird der Schengen-Beitritt Kroatiens vor allem Slowenien helfen. Und ich bin uumlberzeugt, dass die Mehrheit der Menschen und Politiker in Slowenien das auch so sieht.
Wechseln wir zu einer anderen Grenze: Kroatien soll eine EU-Auszligengrenze ndash diejenige zu Bosnien-Herzegowina ndash schuumltzen. Es vergeht aber kaum ein Tag, an dem NGOs oder Menschenrechtsaktivisten nicht von unmenschlicher Behandlung von Migrantinnen und Migranten durch die kroatische Polizei berichten. Was muss sich dort aumlndern?
Zunaumlchst einmal: Es geht nicht darum, dass es in Westbosnien Gefluumlchtete gibt. Die Frage ist, wie sie uumlberhaupt dorthin gekommen sind. Das muss geregelt werden. Wir haben bewiesen, dass wir die Grenze zu Bosnien-Herzegowina schuumltzen koumlnnen. Aber wie sind diese Migranten uumlberhaupt dorthin gekommen, wie sind sie so nah an die kroatische Grenze gekommen? Unser Innenminister ist sehr aktiv in dieser Sache und wir haben gute Unterstuumltzung von den Mitgliedsstaaten.
Fluumlchtlinge sind weiterhin ein Thema das ist eine humanitaumlre Angelegenheit. Illegale Migration ist aber etwas anderes. Wenn wir eine gemeinsame Migrationspolitik haumltten, wenn alle Mitgliedstaaten geeignete Mechanismen entwickeln wuumlrden, wuumlrde dies die Zusammenarbeit und den Schutz der Grenzen erheblich erleichtern.
Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Die kroatische Polizei schuumltzt die Grenze vor illegaler Migration. Unsere Polizisten sind gut ausgebildet, sie handeln in Uumlbereinstimmung mit den kroatischen und den EU-Vorschriften. Unsere Polizei rettet diese Menschen oft vor dem Ertrinken, Erfrieren oder Ersticken in verschlossenen Lastwagen. Und wir sind dabei an drei Punkten aktiv: an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina, innerhalb Kroatiens und an der Grenze zu Slowenien.
Eine abschlieszligende Frage: Der Nobelpreis fuumlr Literatur wurde nun an den oumlsterreichischen Autor Peter Handke vergeben. Dieser gilt weithin als Fuumlrsprecher des ehemaligen Regimes von Slobodan Milošević in Serbien. Kroatien hat sich einer Reihe anderer Laumlnder angeschlossen, die die Preisverleihung boykottierten. Warum?
Diese Laumlnder [Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, das Kosovo und die Tuumlrkei] waren direkte Zeugen der Ereignisse der fruumlhen 1990er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt waumlhlte Handke eine Seite. Die aus dem Zerfall Jugoslawiens hervorgegangenen Laumlnder erinnern sich gut an die Texte von Herrn Handke, und bei allem Respekt vor der Rede- und deswegen auch Schreibefreiheit: Fuumlr uns ist unverstaumlndlich, dass er sich auf die Seite des Milošević-Regimes gestellt hat ndash zu einer Zeit, als es selbst in Serbien durchaus abweichende Ansichten und Vorwuumlrfe gegenuumlber Milošević gegeben hat.
Die Tatsache, dass Handke sogar noch an [Miloševićs] Beerdigung teilgenommen hat, laumlsst uns noch fester glauben, dass dieser Nobelpreis an den falschen Mann vergeben wurde.
[Bearbeitet von Freacutedeacuteric Simon und Tim Steins]